1. März 2006

Google goes Bubble?

Wenn Sie später vielleicht einmal nach diesem Artikel im Internet suchen werden, so werden ungefähr die Hälfte von Ihnen dies über Google tun. Sagen die Statistiker. Google gilt und galt als Schwergewicht an der Börse. Nun jedoch bekommt der Suchmaschinen-Riese einen Dämpfer. Nachdem der Chief Financial Officer (CFO) des Unternehmens, George Reyes, angekündigt hatte, dass mit dem Wachstum nun vorläufig Schluss ist, rauschte der Aktienkurs erstmal um satte 13,5 Prozent in den Keller. Nur damit Sie sich mal vorstellen was das bedeutet: Da sind 7 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung verloren gegangen. Er erklärte, dass Google in den vergangenen 18 Monaten durch eine Vielzahl von Massnahmen die daraus möglichen Gewinne “zum grössten Teil realisiert” hat und jetzt “andere Wege des Geldverdienens gefunden werden müssen”. Manchmal kommt es mir so vor, dass Google DAS Unternehmen ist, das immer noch den Rausch des Internet-Hypes anno 1999/2000 repräsentiert. Fernab jeder Realität und der Wunsch als Vater des Gedanken.

Ich stehe heute sicherlich nicht allein da, wenn ich behaupte dass eine Aktienbewertung, die ausschliesslich auf einer künftigen Wachstumserwartung basiert, eine unsichere Grundlage für die Zukunft eines Unternehmens ist, dass an der Börse das 100fache seines Jahresgewinns wert ist. Im Unterschied zu so manchem Geschichtenerzähler in unserem Lande (die es trotz eCrash tatsächlich immer noch gibt) liefert Google im Gegensatz zu denen bisher zumindest noch(?) respektable Umsätze und Gewinne. Fast der gesamte Umsatz wird jedoch mit Online-Anzeigen gemacht. Aber der Feind schläft nicht: Gegenwind kommt von Yahoo!, Microsoft und auch von AOL. Ich befürchte, dass nicht nur aus diesem Grunde die Luft dünner wird.

Das wissen auch Sergey Brin

und Larry Page,
die immerhin zwischenzeitlich zu den 50 reichsten Amerikanern gehören. Und ich bin sicher, dass sie wissen, dass sie nicht alle Eier in einen Korb legen sollten. Das Problem der Zwei ist nur, das sie im Moment keinen anderen Korb haben! Und um die anderen möglichen Körbe ist in der Zwischenzeit ein grosses Gezerre entstanden, bzw. die hat sich ein anderer geschnappt. Nun verfügt Google über eine respektable Kriegskasse. Aber Geld allein macht nicht glücklich, da müssen langsam ein paar neue Geschäftsfelder her. Da ist guter Rat im wahrsten Sinne des Wortes teuer. Skeptische Anleger befürchten sogar, dass der Börsenkurs wieder unter $ 100.- sinken wird. Diese Skepsis ist zwischenzeitlich auch beim einen oder anderen Analysten zu finden, vielleicht nicht ganz so extrem, aber tendenziell doch übereinstimmend. Im übrigen bin ich der Meinung, dass die noch im Januar prognostizierten Kursziele von bis zu $ 600.- nie zu realisieren sein werden. Google hat seine Sturm- und Drangzeit hinter sich, das Wachstum wird sich abschwächen, ein Tal der Tränen wird kommen und die sich daran anschliessende Ernüchterung wird zeigen in welches Unternehmen wir dann unsere Spargroschen investieren werden.

Wolfgang Franklin
Vorsitzender des Vorstandes
cioforum e.V.

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